WLAN Probleme

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Wenn wir der Werbung glauben dürfen ist WLAN ganz einfach, da setzen sich zwei Gestalten in irgendeinen griechischen Tempel und schicken kurz mal ihre Urlaubsgrüße per Notebook in die weite Welt. Es mag sein, dass das bei vielen Menschen so oder so ähnlich funktioniert, interessant wird das Ganze aber wenn etwas nicht funktioniert, dann gibt es eine große Anzahl von möglichen Fehlerquellen die ganze Bücher füllen würden. Wir können uns hier natürlich nur den häufigsten Fehlern widmen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Da es sich bei WLAN um eine Funkverbindung handelt kann natürlich Vieles Einfluss darauf nehmen. Gehen wir einmal von einem ganz normalen handelsüblichen WLAN-Modem oder Router aus, ohne Richtantennen und höher gestellte Sendeleistung, dann können diese Geräte im Freien unter idealen Bedingungen (Sichtverbindung, kein Regen keine Bäume und keine anderen technischen Geräte oder Leitungen in der Umgebung) Reichweiten von 30 - 100 Metern erreichen. Zum Einsatz kommen die Geräte aber in der Regel innerhalb von Räumen, und da gibt es eine ganze Menge an möglichen Störquellen die die Reichweite mehr oder weniger stark beeinflussen. Im Unterschied zu einem Kabel bei dem auch bei 50 oder 100 Meter Länge die volle Bandbreite erreicht wird sinkt bei einer WLAN Verbindung mit zunehmender Entfernung auch die Bandbreite. So kann es sein das auch über 20 – 30 Meter in einem Gebäude noch eine Verbindung zustande kommt, die Übertragungsrate (= Bandbreite) sinkt aber deutlich. In Windows XP mit dem SP2 oder Vista wird dies jeweils in der Anzahl der Balken die bei den verfügbaren drahtlosen Netzwerken angezeigt wird dargestellt. Ein Netzwerk mit fünf Balken hat dann am gewählten Standort eine bessere Übertragungsrate als eines bei dem nur noch zwei Balken zu sehen sind. Eine Verbindung mit niedriger Übertragungsrate mag zum reinen Surfen noch ausreichen, bei einem Download oder beim Streamen von Audio oder Videodateien kann es dann aber Probleme geben.

Also bitte beachten: Wir haben hier zwei Verbindungen. Einmal die vom Modem zur Gegenstelle auf Seiten des Providers und als Zweites die Verbindung vom Modem (WLAN Access Point) zum Rechner. Selbst wenn die reine DSL-Verbindung sauber mit 16 Mbit/sek. läuft kommt am Rechner nur dass an was die WLAN-Verbindung zulässt. Ist die Bandbreite hier auf Grund der Entfernung oder einer der vielen möglichen Störquellen begrenzt kommt auch nur das am Rechner an.

Vier Wände

Optimal wäre eine Sichtverbindung zwischen den Sende- und Empfangsgeräten, oft stehen die Geräte aber in verschiedenen Räumen oder sogar Stockwerken. Eine einfache Riegipswand stellt zwar ein Hindernis dar, dämpft das Signal aber meist nur minimal. Eine gemauerte Wand stellt da schon ein größeres Hindernis dar und eine Betonwand oder Decke kann eine solche Funkverbindung sogar völlig unterbrechen.

Einfluss haben hier vor allem die "Innereien" solch einer Wand, denn wie jeder wohl noch aus dem Physik-Unterricht weiß haben Metall und Wasser einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss. Eine gemauerte feuchte Wand dämpft deutlich stärker als eine trockene, und während Riegips an sich kaum ein Hindernis darstellt sind oft die als Dampfsperre eingezogenen Folien metallbeschichtet, und dann kann eine fünf Zentimeter dicke Riegipswand ein ebensolches Hindernis darstellen wie eine 20 Zentimeter dicke Stahlbetondecke (auch hier wieder jede Menge Metall). Ein weiteres Hindernis in den Wänden sind die dort verlaufenden Wasser- und Stromleitungen die die Funkverbindung weiter dämpfen, bzw. mit Ihrer Eigenstrahlung stören.

Sollte man trotzdem gezwungen sein eine Verbindung in einen anderen Raum oder ein anderes Stockwerk aufzubauen empfiehlt es sich einen Repeater zu nutzen. Ein Repeater (engl. to repeat = wiederholen) ist ein Verstärker der das Signal aufnimmt und dann mit voller Sendeleistung wiederabstrahlt (wiederholt) und so eine Verbindung zu Orten erlaubt bei denen die ursprüngliche Sendeleistung nicht ausreicht. Soll zum Beispiel ein Repeater die Verbindung in ein oder mehrere Stockwerke sicherstellen empfiehlt es sich das Gerät im Flur an der Treppe zu installieren. Problematisch ist hier nur dass diese Geräte Strom brauchen und eine Steckdose im Treppenhaus oft fehlt.

Wie die oben erwähnten metallbeschichteten Folien in den Wänden hat natürlich jede Metalloberfläche einen Einfluss auf die Verbindung. Das kann der Computer sein der die eingebaute WLAN-Antenne abdeckt, ein Schrank oder auch ein zum Sonnenschutz metallbedampftes Fenster. All diese Oberfläche reflektieren die Funkwellen und können so für Störungen sorgen, im Einzelfall aber auch ein Glücksfall sein wenn durch die Reflektion Orte erreicht werden können die sonst von Wänden abgedeckt sind.

In den Räumen

Wenn wir uns jetzt von den Wänden in das Innere der Räume begeben gibt es auch hier eine ganze Reihe an Störquellen, seien es kleine wie Schränke oder Zierpflanzen oder größere wie andere elektrische Geräte.

Wie oben geschrieben sollten die Geräte in 1,50 Meter Höhe frei hängen, wenn man jetzt um den WAF (=Woman acceptance factor) zu erhöhen einen Ficus vor den Router stellt sieht das Ganze zwar besser aus, durch das Wasser in den Blättern dämpft dieser aber genauso wie der Baum auf der Wiese.

Auch wenn die WLAN-Geräte im Haus betrieben werden hat weiterhin das Wetter einen Einfluss auf die Verbindung, so kann die elektrostatische Aufladung bei einem Gewitter die Verbindung komplett unmöglich machen, aber auch ein einfacher Regen kann schon zu Verlusten in der Übertragungsrate führen.

Dass eine schlecht abgeschirmte Mikrowelle nicht vorteilhaft für eine Funkverbindung ist muss sicher nicht erst erwähnt werden, aber auch alle anderen Geräte haben eine gewisse Eigenstrahlung, egal ob es ein Monitor ist, die Stereoanlage oder die Neonröhre an der Decke.

Noch schlimmer wird es mit Geräten die selbst drahtlos arbeiten, da diese sich alle den gleichen Frequenzbereich (2,4GHz) teilen müssen, nur WLAN Geräte die den 802.11a-Standard unterstützen arbeiten in einem anderen Frequenzbereich (5,4GHz) und sind davon nicht betroffen. Geräte die diesen Standard unterstützen sind aber noch selten (von Alice gibt es solche Geräte bisher nicht) und haben auch ihre Nachteile. Dies ist nämlich der Frequenzbereich in dem das Radar an Flughäfen arbeitet, und das hat verständlicherweise Vorrang. Die Geräte sind daher so programmiert dass sie die Verbindung nicht unbegrenzt halten sondern immer prüfen ob nicht noch jemand anderes senden möchte um für den dann Platz zu machen.

Aber kommen wir zurück zum Frequenzbereich von 2,4GHz. Hier tummeln sich WLAN-Router mit BlueTooth-Geräten, Schnurlosen Telefonen und sogar Geräte wie ein schnurloses Thermometer sendet in diesem Band. Während BlueTooth und Thermometer nur mit einer sehr niedrigen Sendeleistung arbeiten und daher die WLAN-Verbindung nur in Ausnahmefällen stören (es soll aber schon vorgekommen sein) sendet die Basisstation eines schnurlosen Telefons mit einer Leistung die bis zu 20-mal höher ist als die eines handelsüblichen WLAN-Routers. Man kann die Sendeleistung vieler Router zwar über die zulässigen 100mW erhöhen, da dies aber verboten ist sollte man davon absehen. Aber man kann natürlich einmal prüfen ob das Gerät tatsächlich mit 100% arbeitet und nicht wie oft der Fall nur mit 50 - 80%.

WLAN-Netze

Und wie nicht anders zu erwarten arbeiten natürlich auch alle anderen WLAN-Netzwerke in diesem Frequenzbereich (Ausnahme siehe oben). Sieht man nur sein eigenes Netzwerk wenn man nach verfügbaren drahtlosen Netzwerken sucht ist zumindest die Chance gegeben dass da kein Nachbar in der Gegend rumfunkt, es könnte aber auch sein dass der nur seine SSID, die Kennung des WLAN-Netzes, versteckt. Stellt man zum Beispiel fest dass die Verbindung nur zu bestimmten Zeiten "in die Knie geht" (abends oder am Wochenende) sollte man einmal prüfen ob nicht in der Nähe noch jemand ein WLAN-Netz betreibt. Gegebenenfalls einfach einmal herumfragen. Ich habe schon öfter die Empfehlung gelesen die SSID so zu ändern dass die eigene E-Mail-Adresse angezeigt wird. In wieweit das vom Sicherheitsgesichtspunkt sinnvoll ist mag ich nicht beurteilen, wenn aber jemand über eine Störung in seinem WLAN stolpert hat er dann die Möglichkeit sich mit dem möglichen Verursacher (oder Leidensgenossen) schnell in Verbindung zu setzen.

Wenn man auf sein WLAN-Gerät zugreift, also nicht den Adapter am Computer sondern die "andere Seite", hat man die Möglichkeit verschiedene Kanäle einzustellen. Offen stehen die Kanäle 1 bis 13 wobei in der Regel empfohlen wird die Kanäle 1, 6 oder 11 (in anderen Quellen ist von 1, 7 und 13 die Rede) auszuwählen da diese keine Überschneidungen mit anderen Kanälen haben. Im Einzelfall kann aber auch ein anderer Kanal helfen wenn diese Kanäle schon von Nachbarn genutzt werden. Achtung: Mit den Kanälen oberhalb der 11 sollte man vorsichtig sein. Grade Notebooks werden in der Regel für den internationalen Markt gebaut, nur die Tastatur und das Betriebssystem wird entsprechend angepasst, und in den USA sind die Kanäle 12 und 13 für offizielle Stellen reserviert und dürfen daher im privaten Bereich nicht genutzt werden. Ergebnis: ein Gerät das auf einem dieser Kanäle sendet wird einfach nicht erkannt. Das ist besonders spaßig weil in Deutschland Kanal 13 der inoffizielle Standard in vielen Firmen- und Uninetzen ist.

Lösungsansätze

Wie man an diesem kurzen Überblick über mögliche Probleme sehen kann ist der Aufbau einer WLAN-Verbindung, im Gegensatz zu den vollmundigen Aussagen in der Werbung, von einer ganzen Reihe möglicher haken und Ösen begleitet. Daher ein paar Ratschläge:

Stellen Sie die einfachst mögliche Verbindung her und arbeiten Sie sich von dort aus Schritt für Schritt vor. Da bei einer WLAN Verbindung eine ganze Reihe von Faktoren Einfluß nehmen kann es sonst sehr leicht passieren das man wochenlang an der WLAN Verbindung herumschraubt bis man merkt dass die DSL Leitung selbst weg ist. Weiter bei der Lösungssuche IMMER nur einen Schritt zur Zeit durchführen und dann testen. Das bedeutet zwar das man gegebenenfalls ein Wochenende oder mehr daransetzen muss, ich habe aber schon genug Leute gesehen die sich beim hin und her stellen der Einstellungen ihr Betriebssystem so verbogen haben das eine komplette Neuinstallation notwendig wurde weil einfach nicht mehr feststellbar war was gemacht wurde und was jetzt die neuen Fehler verursacht.

Das bedeutet:

1. Erst einmal weg mit dem WLAN und versuchen ob sich die Verbindung kabelgebunden herstellen läßt.

Ist das der Fall funktioniert zumindest die Verbindung zum Provider, die Probleme liegen also in den eigenen vier Wänden.

2. Nächster Schritt: WLAN Access Point resetten und auch gegebenenfalls vorhandene bevorzugte Netzwerke aus der Windows Konfiguration entfernen. Ich habe schon einen ganzen Tag versucht eine Verbindung einzurichten bis ich mich daran erinnerte vor Monaten einmal auf dem Router ein MAC Filtering eingerichtet zu haben. Seltsamerweise versucht sich sonst der Rechner oft auch nach Änderung der Einstellungen (z.B. Schlüssel) gern mal mit den alten Daten zu verbinden was leider nicht in jedem Fall funktionieren wird, daher die Empfehlung auch die bevorzugten Netzwerke zu leeren.

Achtung: Im Falle eines Falles sollte man sich die Einstellungen vorher notieren, vielleicht braucht man sie noch um wieder den Muli laufen zu lassen oder in WoW Orks zu killen.

3. Jetzt erst einmal eine WLAN Verbindung ohne Verschlüsselung einrichten. So verhindern wir das mögliche Tippfehler bei der Schlüsseleingabe uns zur Verzweiflung treiben.

Das diese Verbindung besteht läßt sich leicht prüfen indem man die Adresse des Routers in den Browser eingibt. Wird eine Seite angezeigt ist alles OK, wenn nicht gibt es noch irgendwo einen Haken.

Achtung: Das Siemens SL2 von Alice ist im Auslieferungszustand als Modem konfiguriert. Bei jedem Reset geht das Gerät auf diesen Zustand zurück. Wenn dieses Gerät vor einem steht muss zuerst auf dem PC eine feste IP vergeben werden die in der gleichen IP Range liegt bevor man auf das Gerät zugreifen und es konfigurieren kann. Infos hierzu findet man unter IP-Adressen in diesem Wiki.

4. Läuft das WLAN ohne Verschlüsselung kann als letzter Schritt die Verschlüsselung eingerichtet werden. Hier muss sichergestellt werden dass alle Geräte im Netz die Verschlüsselung verstehen. Muss z.B. ein älteres Notebook eingebunden werden dass nur WEP versteht müssen auch alle anderen Geräte mit dieser (unsicheren) Verschlüsselung arbeiten, es sei den der Access Point bietet die Möglichkeit zwei Netze aufzubauen. Wenn alle Geräte im Netz es untzerstützen sollte man zumindest die WPA-Verschlüsselung wählen.

Wenn eine Verbindung zustande kommt, aber nicht wirklich stabil oder schnell ist sollten erst einmal die Treiber aktualisiert werden. Wenn das nicht hilft bringt man im nächsten Schritt die WLAN Geräte zusammen in einen Raum wobei sie schon noch so um die zwei bis drei Meter Abstand haben sollten, nicht dass die sich gegenseitig stören und schaltet dann soweit möglich alle anderen technischen Geräte aus. Achtung: Bei einem schnurlosen Telefon bringt es einen nicht wirklich weiter nur die Basis abzuschalten. Die Handgeräte sind so eingestellt dass sie immer versuchen die Verbindung zu ihrer Basis zu halten und wenn die mangels Strom nicht mehr sendet schrauben sich die Handgeräte zu ihrer höchsten Sendeleistung hoch in der Hoffnung doch noch ein Signal ihrer Basis zu erhaschen.

Wenn es jetzt mit Verschlüsselung mit den Geräten im gleichen Raum eine saubere Verbindung gibt kann man Schritt für Schritt die Geräte an die vorgesehenen Standorte bringen und dabei (auch wieder Schritt für Schritt) alle möglichen Störquellen eliminieren.

Sollte man dabei feststellen dass eine direkte Verbindung nicht oder nicht stabil aufzubauen ist gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten:

  • Sendeleistung hochstellen. Bei vielen Geräten ist die Sendeleistung per Einstellung auf einen bestimmten Wert begrenzt. Man findet diese Einstellungsmöglichkeit dann im Menü des Access Points, leider aber oft erst nach einem inoffiziellen Firmware-Update zu dem man wenn überhaupt nur erfahrenen Usern raten sollte.

Achtung: Es gibt in Deutschland Grenzwerte für die Sendeleistung die einige Geräte in der Maximaleinstellung locker überspringen. Also besser erst einmal nachfragen bevor man sich strafbar macht.

  • Viele Access Points erlauben es die Antenne gegen eine leistungsstärkere auszutauschen. Oft haben diese Antenne im Gegensatz zu den kleinen Original-Stummeln neben der höheren Sendeleistung auch noch ein Kabel so dass man sie besser platzieren kann. Auf dem Schrank ist halt besser als im Schrank. Im Extremfall kann man auch Richtantennen anschliessen. Anleitungen wie man so etwas für kleines Geld aus Konservendosen oder Klobürsten-Haltern selbst baut finden sich zuhauf im Internet. Auch hier sollte man ein Auge auf die mögliche Sendeleistung haben um nicht ungewohl zu einem Gespräch mit der Polizei geladen zu werden.
  • Und last but not least die am häufigsten gewählte Lösung: Man hängt einfach an zentraler Stelle einen sogenannten Repeater auf. Solche ein Repeater (egl. = to repeat = wiederholen) hat die Aufgabe den Datenstrom aufzunehmen und dann mit voller Sendeleistung wieder abzustrahlen. Kommt man z.B. durch die dicken Stahlbetondecken nicht vom Router im Kellerbüro zu den Rechner im Erdgeschoß und im 1. Stock hilft es oft eines oder zwei solcher Geräte im Treppenhaus anzuschließen welches ja in der Regel die einzige größere Lücke in der Decke darstellt.
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